Gottesanbeterin

Mantis religiosa

Die Gottesanbeterin ist ein ganz besonderes Insekt mit vielen Bedeutungen in den verschiedensten Kulturen. Im alten Ägypten galt das Tier als Begleiterin der Toten, in Japan dagegen ist die Gottesanbeterin ein Symbol für Geduld, Beständigkeit und Wachsamkeit. Ihren Namen verdankt sie ihren zwei vorderen Fangbeinen, die in Ruhestellung vor dem Körper gehalten werden – wie bei einem Gebet.

Wo lebt die Gottesanbeterin?

Die Gottesanbeterin bevorzugt grundsätzlich warme Gebiete. Deswegen war sie ursprünglich vor allem in den Tropen und Subtropen, also der Zone zwischen Tropen und unseren gemäßigteren Breiten, zuhause. Von Afrika aus hat sich die Gottesanbeterin über den Mittelmeerraum jedoch nach und nach sehr weit Richtung Norden augebreitet. Heute findet man sie auch in West-, Mittel- und Osteuropa und in weiten Teilen Asiens.

In Deutschland ist sie mittlerweile in allen Bundesländern, außer Niedersachsen und Schleswig-Holstein, anzutreffen. Verantwortlich für die rasche und ausgedehnte Ausbreitung ist die Klimaerwärmung.

Wie alt kann die Gottesanbeterin werden?

Die Gottesanbeterin wird nur ein Jahr alt. Deswegen muss das Insekt sich in diesem einen Jahr unbedingt verpaaren um den Nachwuchs zu sichern. Sobald der Frost einsetzt, sterben die adulten (erwachsenen) Tiere und nur die abgelegten Eier überdauern den Winter.

Wie lebt die Gottesanbeterin?

Mit etwa 2 Wochen ist die Gottesanbeterin geschlechtsreif und kann mit der Suche nach einen Paarungspartner beginnen. In dieser Zeit senden die Weibchen sogenannte Sexual-Lockstoffe aus, mit denen sie die Aufmerksam der Männchen auf sich ziehen wollen.

Wenn sich ein Männchen und ein Weibchen gefunden haben, kann die Paarung schon mal ein paar Stunden dauern. Dabei klammert sich das wesentlich kleinere Männchen am Weibchen fest und verharrt während der kompletten Paarung, auch Kopulation genannt, regungslos in dieser Position. Manchmal passiert es, dass das Weibchen während der Kopulation dem Männchen einfach den Kopf abfrisst.

In der Zeit von August bis Oktober legen die Weibchen schließlich die Eier in Eigelegen, den sogenannten Ootheken, ab. Die Ootheken funktionieren wie kleine Taschen, die die Weibchen aus einem körpereigenen Sekrekt bauen, das sie zu Schaum schlagen. Sie werden in Bodennähe befestigt und schützen die Eier vor Wind und Wetter und natürlich vor Fressfeinden.

Mit dem ersten Frost geht das Leben der Gottesbeterin schließlich zu Ende. Die erwachsenen Tiere sterben und die Eier überwintern in den Ootheken. Im Frühjahr schlüpfen dann die kleinen wurmartigen Larven, die nach 6-7 Häutungen erwachsen sind und sich wieder verpaaren.

Was frisst die Gottesanbeterin?

Die Gottesanbeterin lebt ausschließlich räuberisch, also von anderen Tieren. Mit ihren riesigen Facettenaugen kann sie potenzielle Beute perfekt ausmachen und mit ihren Fangbeinen schließlich blitzschnell zupacken das Opfer überraschen. Fangschrecken, so werden die riesigen Insekten treffenderweise auch gennant, verspeisen am allerliebsten andere Insekten wie Käfer, Spinnen, Wespen oder Heuschrecken aber manchmal wagen sie sich sogar an Eidechsen, Mäuse oder Frösche heran.

Die Gottesanbeterin ist das Insekt des Jahres 2017. Diesen Titel bekam sie vor allem, um auf den fortschreitenden Klimawandel aufmerksam zu machen. Denn in Folge des Klimawandels ist die Gottesanbeterin nun auch bei uns anzutreffen.
Damit ist sie einer der Gewinner des Klimawandels. Wo es Gewinner gibt, gibt es aber immer auch Verlierer und so wird durch die Klimaerwärmung das Gleichgewicht in der Natur gestört, Ökosysteme werden durcheinandergebracht und die Konsequenzen dieser Ereignisse sind nicht in vollem Ausmaß vorhersagbar.

Die Gottesanbeterin wird sowohl in der Roten Liste Deutschlands als auch in denen Österreichs und der Schweiz geführt. Durch die Klimaerwärmung breitet sich die Art jedoch so schnell und weit aus, dass sich dies in Zukunft ändern könnte.