Großer Eichenbock

Cerambyx cerdo

Der schwarzbraune Große Eichenbock, auch Heldbock genannt, wird 24 bis 53 Millimeter lang und zählt damit zu den größten Käfern Mitteleuropas. Die Fühler können beim Männchen das Doppelte der Körperlänge erreichen, die Fühler des Weibchens erreichen in etwa Körperlänge. Die Fühler sind im ersten Glied verdickt, punktiert und runzlig. Kopf, Brust, Beine und Fühler sind schwarz, die schwarzen Flügeldecken werden nach hinten heller bis braunrot.

Wo lebt der Große Eichenbock?

Der Große Eichenbock kommt in ganz Europa außer dem äußersten Norden sowei in Nordafrika, Kleinasien und dem Kaukasus vor.
Der Käfer bevorzugt in der Sonne stehende, kranke oder absterbende alte Stieleichen, manchmal auch Traubeneichen, Buchen oder Ulmen. Totholz vermeidet er. Restvorkommen gibt es vor allem in alten Parkanlagen und Hutewäldern.

Wie alt kann der Große Eichenbock werden?

Die erwachsenen Tiere werden maximal 46 Tage (Männchen) bzw. 59 Tage (Weibchen) alt.

Wie lebt der Große Eichenbock?

Das Weibchen legt mehrmals je ein bis drei Eier auf einmal, insgesamt 60 bis 450, in die knorrige Rinde alter Eichen. Nach etwa drei Wochen schlüpfen die Larven und fressen sich zur ersten Überwinterung in das Kambium, das ist der Bereich zwischen Rinde und Holz, der schön saftig ist. Im zweiten Jahr fressen sie sich dann ins weichere Splintholz und im dritten bis fünften Jahr ins Kernholz.
Ist der Große Eichenbock dann voll entwickelt, hält er sich fast ausschließlich an seinem Geburtsbaum auf. Tagsüber versteckt er sich unter loser Rinde, in alten Fraßgängen oder im Laub im direkten Umfeld des Baumes.
In warmen Sommernächten mit Temperaturen über 18 °C, vor allem im Juni und Juli, fliegt der Käfer kleinere Strecken, selten auch bis zu 4 Kilometer. Weil also die Käfer nicht sehr weit herumfliegen, verbreiten sie sich nur in einem engen Bereich.
Große Eichenböcke können von Mitte Mai bis August beobachtet werden. Am wahrscheinlichsten sind sie jedoch im Juni und Juli anzutreffen, denn dann ist ihre Hauptflugzeit. Die Käfer fliegen besonders gern in den Abendstunden alte Eichen an, wo sie zur Ernährung an Saftstellen lecken. Wer Große Eichenböcke beobachten möchte, muss zwischen 20 und 22 Uhr durch den Wald streifen, denn da sind sie am aktivsten.

Was frisst der Große Eichenbock?

Die neun bis zehn Zentimeter langen Larven ernähren sich von den Vitaminen und Mineralstoffen im Saftfluss des Baumes. Der Eichenbock selbst ernährt sich am Saftfluss verletzter Eichen und reifem Obst.

Besonderes

Er galt als Holzmörder. Zwar schadet er den Eichen nicht, die können auch mit Fraßgängen uralt werden, aber durch seine Gänge wird das Holz für eine Nutzung unbrauchbar.

Ein Großer Eichenbock ist sehr ausbreitungsschwach und bleibt lange „seiner“ Eiche treu. Da er dort auch einen Geschlechtspartner finden kann, verlässt er das Umfeld seines Geburtsbaumes kaum – so können mehrere Generationen von Heldböcken an derselben Eiche heranreifen. Deshalb ist es wichtig, dass nicht alle alten Eichen von der Forstwirtschaft gefällt werden.
Im Biosphärenreservat Mittelelbe  ist der große Eichenbock noch relativ gut verbreitet, da es hier noch viele alte Eichen gibt.

Viele Bockkäfer tragen ihre Fühler nach vorn gerichtet, der Eichenbock aber oft nach hinten und sieht deshalb wie ein (Stein)Bock aus, deshalb wahrscheinlich sein Name.

Schutz

Der Große Eichenbock ist heute vom Aussterben bedroht. Darum steht er auf der Roten Liste in der Kategorie 1.
Der Rückgang des Großen Eichenbocks lässt sich nur langsam bremsen, da Eichen erst in einem Alter ab 80 bis 150 Jahren für diese Käferart interessant werden.
Solche alten Eichen gibt es leider nicht mehr viele.
Die großen Eichenböcke sind daher streng zu schützen und müssen durch eine angepasste Pflege und Bewirtschaftung des Waldes erhalten werden.

Geschrieben von Uwe Brückner